Menschenkette gegen Hass und Gewalt

Am Tag des Gedenkens der Opfer des Nationalsozialismus wurde in Moers eine Menschenkette für Toleranz und gegen Hass und Gewalt gebildet. Am Altmarkt gab es abschließend eine Kundgebung mit verschiedenen Redebeiträgen von Ibrahim Yetim, Siegmund Ehrmann, Ingo Brohl und mir.

Hier meine Rede zum Nachlesen:

Liebe Moerserinnen und Moerser,

gemeinsam stehen wir heute hier – gemeinsam, um klar zu zeigen: Wir stellen uns gegen Intoleranz, Hass und Gewalt. Wir sind hier, weil wir überzeugt und unerschütterlich für Menschenrechte, Mitmenschlichkeit und Menschenwürde eintreten, ohne Wenn und Aber.

Wir tun das seit vielen Jahren, weil wir nach der entsetzlichen Zeit der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft eine Kultur der Erinnerung entwickelt haben, die uns mahnt, das sich die Gräueltaten des Nationalsozialismus niemals wiederholen dürfen. Und, die dazu beigetragen hat, dass wir eine Basis von Mitmenschlichkeit und die Garantie von Menschenrechten und Menschenwürde für alle geschaffen haben.

Gedenktage wie heute, an denen wir an die Opfer der Naziherrschaft erinnern, zählen dazu. Gedenktage und Gedenkorte, sie mahnen uns. Sie ermöglichen uns allen, dass wir menschlich berührt werden und uns auseinandersetzen mit den Gründen, die zu Entmenschlichung Hass und Gewalt geführt haben. Damit diese schreckliche Kapitel unserer Geschichte sich niemals wiederholt. Aber – Mehr als jemals zuvor in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland ist diese Basis von Mitmenschlichkeit und garantierten Menschenrechten in Gefahr. Zu laut und sichtbar sind diejenigen geworden, die die Erinnerung ausschalten wollen, das Geschehene vergessen, ja, sogar die Vergangenheit wiederbeleben wollen.

Die den Weg ebnen wollen für Intoleranz, Hass und Rassismus als gesellschaftliche „Normalität“. Worte standen damals am Anfang dieser braunen Zeit, furchtbare Gräueltaten folgten nach. Wir erleben – gerade auch im Kontext der Geflüchteten, die zu uns gekommen sind – immer mehr gezielte Provokationen aus der rechten Ecke. Sei es, dass zum Schießen an der Grenze aufgerufen wurde, sei es ganz aktuell, dass die „Erinnerung“, dass Mahnmal für die ermordeten Juden in Berlin als Schande bezeichnet wird.

DAS, liebe Moerser*innen, das ist empörend: Die Schande? Die Schande ist der Mord an Millionen Menschen in Gaskammern – im Namen des deutschen Volkes. So etwas darf nie wieder passieren – nicht Juden, Muslimen, Christen, Menschen mit Behinderungen, nicht Lesben, Schwulen, Trans*menschen, nicht den Ausgegrenzten, den Asozialen oder den politisch Verfolgten. Niemals mehr und niemandem!

Wehret den Anfängen, das ist die Lehre, die die Geschichte uns mit auf den Weg gibt. Das habe ich hier im vorigen Jahr gesagt. Und jetzt, so fürchte ich, sind wir über diese Anfänge hinaus.

In aller Klarheit: Wir reden von gezielten verbalen Eskalationen. Nichts wird einfach so daher gesagt. Die AfD legt es auf kalkulierte und systematische Provokationen an. Und wohin sich unser Land nach dem Willen der Rechtspopulisten entwickeln sollte. Das lassen WIR nicht zu!

Björn Höcke war Geschichtslehrer, bevor er Rechtsaußen einer rechten Partei wurde. Er weiß, wovon und worüber er redet, sehr genau. Und die Parteispitze schmeißt ihn nicht mal raus. Auch das hat System!

Wir stehen zusammen, Widerstand zu leisten. Engagement von jeder und jedem einzelnen ist jetzt wichtiger denn je. Liebe Leute, es geht richtig um was: Um unser Zusammenleben hier, in dem alle selbstverständlich und gleichberechtigt dazugehören. Es geht um unsere Erinnerungen, unsere Verantwortung und unsere friedliche Zukunft.

Ich möchte den Organisator*innen des Bündnisses sehr danken für diese Aktion. Ich bin froh und dankbar, dass auch heute wieder so viele gekommen sind hier in Moers, um erneut klare Zeichen zu setzen – so wie es heute viele Menschen anderswo auch gerade tun. Dafür, dass das WIR im Mittelpunkt stehen bleibt. Und ich bleibe optimistisch, dass uns das gelingt. Denn Moers ist bunt, nicht braun. Dafür stehen wir  – alle zusammen!

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