Fall Gurlitt: Bundesregierung hat wertvolle Zeit sinnlos verstreichen lassen

Anlässlich der aktuellen Entwicklungen im Fall Gurlitt erklärt Ulle Schauws, Sprecherin für Kulturpolitik:

Dass die Bundesregierung die Entwicklung im Fall Gurlitt jetzt als ihren Erfolg verbuchen will ist zynisch. Wenn die Kulturstaatsministerin Monika Grütters vollmundig in einem Interview erklärt, dass die Bundesregierung alles tue, um die Geschichte der Raubkunst aufzuarbeiten, selbst wenn es sich um Privatsammlungen handle, ist das eine Vortäuschung falscher Tatsachen. Ihr Haus war schon vor Jahren über den Fund in Schwabingen informiert und hatte zu den Umständen geschwiegen. Das geschah zwar dem Vernehmen nach wegen des laufenden Strafverfahrens gegen Cornelius Gurlitt. Dennoch wäre eine Unterstützung der Staatsanwaltschaft Augsburg bei der Provenienzklärung schon viel früher möglich gewesen. Durch dieses fahrlässige Versäumnis ist wertvolle Zeit sinnlos verstrichen.

Jetzt soll eine Verfahrensvereinbarung regeln, dass Gurlitt seine Sammlung freiwillig auf NS-verfolgungsbedingtes Kulturgut hin untersuchen lässt. Und scheinbar ist er bereit, als NS-Raubkunst identifizierte Werke an die Erben der Eigentümerinnen und Eigentümer zurückzugeben.  Damit kann auch die durch das Bekanntwerden des Schwabinger Kunstfundes ausgelöste intensive Debatte über den Umgang mit Raub- und Beutekunst endlich und mit positivem Impuls weitergehen. Der Schwabinger und der Salzburger Fund sind der sprichwörtliche Stein des Anstoßes, der uns die ungeahnten Dimensionen des NS-Kunstraubes vor Augen geführt und binnen kürzester Zeit für den Umgang damit sensibilisiert hat.

Artikel kommentieren


* Pflichtfeld