RP: Chance auf vier Bundestagsabgeordnete

VON SEBASTIAN PETERS – zuletzt aktualisiert: 03.09.2013 – 10:00

Krefeld (RP). Mit Ulle Schauws (Grüne) und Otto Fricke (FDP) haben gleich zwei Krefelder Bundestagskandidaten aussichtsreiche Listenplätze. Sie könnten Krefeld neben den zwei direkt gewählten Kandidaten in der Hauptstadt vertreten.

Wenn am 22. September der Bundestag neu gewählt wird, dann steigen durch die Wahlrechtsreform die Chancen, dass weiterhin vier Abgeordnete Krefeld im Bundestag vertreten sind. Die 2012 beschlossene Wahlrechtsreform sorgt wahrscheinlich dafür, dass die Zahl der Abgeordneten im Bundestag steigt. Die Reform funktioniert im Kern so: Gewinnt eine Partei in einem Bundesland über die Erststimmen (Stimme für den Direktkandidaten) mehr Sitze, als es ihr nach dem Zweitstimmenanteil (Stimme für die Partei) zusteht, kommt es zu Überhangmandaten. Mit der Wahlrechtsreform wird künftig die Anzahl der Parlamentssitze so lange erhöht, bis proportional im Größenverhältnis alle Parteien wieder gemäß ihres Zweitstimmenergebnisses vertreten sind.

BUNDESTAGSWAHL

Kandidatenporträts – Serie startet morgen

In den kommenden Tagen werden Sie in der Rheinischen Post Krefeld Porträts aller Bundestagskandidaten in den Wahlkreisen Krefeld-Süd (mit dem Rhein-Kreis Neuss) und Krefeld-Nord (mit Moers) finden. Berücksichtigt sind alle Kandidaten der im Bundestag vertretenen Parteien. Die Serie erklärt auch, welche politischen Ziele die Kandidaten haben.

Nach dem Ausscheiden von Bernd Scheelen (SPD) aus dem Bundestag könnte es also bei vier Krefelder Bundestagsabgeordneten bleiben. Der CDU-Bundestagsabgeordnete Ansgar Heveling hat gute Chancen, den Wahlkreis direkt zu holen. Auf eine Nominierung per Liste habe er erneut verzichtet, erklärte Heveling. Der Einzug über die Liste wird auch für die CDU-Kandidatin Kerstin Radomski schwer. In ihrem Wahlkreis, dem Krefelder Norden, galt 2009 ihr damaliger Listenplatz 27 noch als aussichtsreich. Weil aber viele CDU-Kandidaten 2009 ihre Wahlkreise direkt holten, zog die Liste in NRW am Ende nur bis Platz 19 – Radomski kam nicht in den Bundestag. Dieses mal hat sie nur noch den Listenplatz 40. Ihr Fazit: „Der Listenplatz ist irrelevant, man muss direkt ziehen, das hat die letzte Wahl gezeigt.“

Auch die Chancen der Krefelder SPD-Kandidaten, über die Landesliste in den Bundestag einzuziehen, sind gering. Benedikt Winzen, Kandidat im Wahlkreis Krefeld-Süd, hat Listenplatz 39. Siegmund Ehrmann, Wahlkreis Krefeld-Nord, hat Listenplatz 50. Bei der Bundestagswahl 2009 hat die NRW-Liste der SPD bis Platz 13 gezogen. „Aufgrund der Wahlrechtsreform und des historisch schlechten Abschneidens der SPD 2009 gehen wir davon aus, dass die Landesliste in diesem Jahr weiter reicht. Trotzdem ist es eher unwahrscheinlich, dass unsere Listenplätze am Ende ziehen werden“, sagt der Krefelder SPD-Vorsitzende Frank Meyer. Im Nord-Wahlkreis von Siegmund Ehrmann hatte die SPD 2002, 2005 und 2009 jeweils das Direktmandat geholt. 2009, mit der neuen Konkurrenz durch CDU-Kandidatin Kerstin Radomski, wurde es mit 6000 Stimmen Vorsprung allerdings knapp. Im Süd-Wahlkreis hatte der SPD-Bundestagsabgeordnete Bernd Scheelen 2009 einen attraktiven Listenplatz 13, der knapp zog. Sein Nachfolger Benedikt Winzen muss bei Listenplatz 39 wohl auf die Direktwahl hoffen. „Wir wissen, dass der Vorsprung der CDU in der Vergangenheit groß war“, sagt Frank Meyer. Winzen sei aber „definitiv nicht chancenlos“.

Mit Otto Fricke stellt die Krefelder FDP einen der bekanntesten Liberalen im Land – der Bundestagsabgeordnete des Krefelder Süd-Wahlkreises hat gute Chancen, über die Liste in den Bundestag einzuziehen. Auf der FDP-Landesliste belegt er den dritten Rang. Bei einem Stimmenanteil von 2,4 Prozent für die FDP werde er wohl in den Bundestag einziehen, teilte Fricke mit. Alle Wahlprognosen sehen die FDP derzeit bei über fünf Prozent – Frickes erneuter Einzug in den Bundestag scheint gesichert. Die Chancen des FDP-Kandidaten Michael Terwiesche im Krefelder Norden stehen eher schlecht: Er hat Listenplatz 24.

Die Grünen-Kandidatin Ulle Schauws, Sprecherin der Grünen-Ratsfraktion, hat gute Chancen, in den Bundestag einzuziehen. Sie hat Listenplatz 13 erreicht. Nach Schauws‘ Rechnung bedeutet dies, dass ab einem Ergebnis von über neun Prozent Stimmenanteil für die Grünen die Chance auf einen Einzug in den Bundestag sehr gut sind. 2009 zog ihr Listenplatz 15 nicht. Durch die Wahlrechtsreform hätten sich aber die Chancen für die kleineren Parteien, Listenkandidaten in den Bundestag zu bringen, erhöht, sagt Schauws. Karl-Heinz Renner, Kandidat im Krefelder Süden, hat keinen Listenplatz.

Die beiden Kandidaten der Linke, Manfred Büddemann (Krefeld-Süd) und Gabriele Kaenders (Nord), haben keinen Listenplatz.

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